Ein Artikel in einem regionalen Wirtschaftsportal machte mich auf eine interessante Erweiterung der Ertragsquellen von Social Networks aufmerksam.
Eraffe – Wiederauferstehung als Partygänger?
Eraffe kennen Insider aus ein schon etwas länger etabliertes Social Network mit Sitz und Nutzerschwerpunkt in München. Wer die Plattform heute besucht, wird auf eine neue Oberfläche treffen, die dem Besucher den Eindruck vermittelt, das die Plattform sowohl in Bayern als auch in Baden-Württemberg und Hessen präsent ist.

Neben dem optischen Relaunch der Website – manch einer mag die einladende Dame früherer Tage vermissen – ist der neue Ansatz in der Positionierung von eraffe interessant. Aus eraffe wurde optisch Partygänger. Das Portal definiert sich jetzt als regionales Freizeitportal und versucht sich mit dem neuen Namen Partygänger neu zu etablieren. Die Domain partygänger.de verweist weiterhin auf eraffe. Eraffes Erfolg als Social Network in der Region München wurde durch die lokalen Social Networks im Umland von München und später durch die Lokalisten stark begrenzt. Im Ranking der agof dümpelte man lange bei 60 Tsd unique users und ist in denn internet facts 2009/IV mit 50 Tsd auf Platz 520 gelistet. Wachstum aus eigener Kraft mag in dieser Situation eher illusorisch sein. Das Projekt Partygänger ist aus der Zusammenarbeit von Münchner Zeitungsverlag (Merkur, tz) und eraffe entstanden. Der Münchner Zeitungsverlag gehört zur Ippen-Gruppe, die sich wiederum besonders stark für die Leserbindung durch das neue Community Portal engagiert.
Neu positioniert – neues Wachstum oder neues Geld?
Die kreative Konsequenz aus dieser Situation liegt in der Neupositionierung und Vermarktung der schwächelnden Community als Freizeitportal für Zeitungsverlage.
Die Zusammenarbeit mit der Südwest Presse – die nach eigenem Bekunden in ihrem Einzugsgebiet in der Altersgruppe der 16 – 29jährigen ein Potenzial von über 600.000 Menschen hat, und deren Einzugsgebiet an Bayern grenzt, ist der aktuelle Anlass für den oben angesprochenen Artikel.
Der Anspruch das führende Freizeit- und Communityportal für regionale Verlags- und Medienhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sein, ist sportlich. Ein Blick auf die Nutzer bei Google Trends zeigt etwa 15 Tsd. daily unique visitors nach Google. Ob sich den Medienpartnern ausserhalb von München in nennenswertem Umfang neue Nutzer für deren Portale erschließen lassen, ist die damit eine Überlegung, die primär noch den Controllingbereich der Verlage interessieren sollte.
Interessanter wie realitätsnäher dürfte die Frage sein, ob sich eraffe mit dieser Methode tatsächlich neue Nutzer erschließen kann. Die Online Portale von Tageszeitungen als Anlaufstelle für Partygänger – das klingt nicht wirklich kongruent. Wenn dies so funktionieren würde, bräuchten die Tageszeitungen eraffe nicht. Wenn dies nicht funktioniert ist, bringt diese Zusammenarbeit eraffe – oder Partygänger – kaum nennenswerte neue User.
Auch Hoffnung kann die Kasse füllen
Des Pudels Kern oder der eigentliche Nutzen für eraffe dürfte in der Dienstleistung für die Verlage liegen, die man sich vermutlich gut bezahlen lässt. Die Zeitungsverlage erhalten bei dieser Zusammenarbeit die Möglichkeit den eigenen Content in ein jugendliches Design einzubinden und die Hoffnung so Zugang zu verloren gegangenen Zielgruppen zu erhalten. Jugendliches Design ohne die entsprechenden Nutzer wäre allerdings ein Muster ohne Wert. Derzeit erfüllt eraffe / Partygänger diese Hoffnung sicher nicht. Die Zusammenarbeit von eraffe / Partygänger mit den Tageszeitungsverlagen macht auf Dauer nur dann Sinn, wenn es eraffe / Partygänger gelingen sollte, den Verlagen durch den Partycontent jüngere Zielgruppen zu erschließen. Wenn eraffe in der Lage wäre diese Zielgruppen – innerhalb oder außerhalb ihrer Stammregion – zu erschließen, bräuchte man die Verlage nicht, um zu wachsen. So versucht man sich eher der Verlage zu bedienen, um einen gesicherten Ertrag zu generieren. Wenn dabei neue User abfallen, wäre das auch kein Nachteil. Ob es gelingt eraffe / Partygänger schnell genug als Dienstleister bei den Verlagen zu etablieren, bevor den Medienpartnern Wirkung und Aufwand klar wird, dürfte ebenfalls eine interessante Frage sein.
Auch hier scheint zu gelten, das die Hoffnung (in diesem Fall der Verlage) zuletzt stirbt. Zumindest kann die Hoffnung noch die Kasse von eraffe füllen, damit aus dem neuen Partygänger nicht so schnell ein bunter Wiedergänger von eraffe wird.
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